Am Johannes-Thal-Klinikum stehen seit zwei Staffeln vier neue Gesichter im Mittelpunkt. Eines davon gehört Olivia Papoli-Barawati. Ihre Figur Sofia Galura ist seit der elften Staffel im Bild, anfangs als PJ-Studentin, mittlerweile als Assistenzärztin der Chirurgie. In Staffel 12 darf Sofia eigenständige Fälle übernehmen, eine Liebesgeschichte aufbauen und Reibungspunkte mit ihren Kolleginnen riskieren. Das ist viel auf einmal für eine Newcomerin, die noch vor wenigen Jahren in einem Tanzgymnasium stand.
Vom Tanzboden ins Krankenhaus
Olivia Papoli-Barawati wurde 1995 in Osnabrück geboren. Schon mit siebzehn fasste sie den Entschluss, nicht in Niedersachsen zu bleiben. Von 2012 bis 2014 besuchte sie das Tanzgymnasium Essen-Werden, eine der wenigen Schulen in Deutschland, an der Tanz und Abitur unter einem Dach laufen. Dort lernte sie das, was später in jeder Casting-Notiz stehen sollte: Disziplin, Bewegung, ein Körper, der weiß, was er tut.
Nach dem Abitur wechselte sie nach Hamburg. Von 2014 bis 2017 absolvierte sie eine Musical-Ausbildung an der Joop van den Ende Academy. Wer diesen Weg wählt, geht selten direkt in die Fernsehbranche. Musical ist eine eigene Welt, mit eigenen Lehrkräften, eigenen Spielstätten, eigenem Publikum. Erst ein Schritt nach dem anderen führt von dort in Richtung Kamera. Papoli-Barawati hat diesen Weg in beinahe zehn Jahren konsequent durchgezogen.
Kiel, Hamburg, Dessau
Schon während der Ausbildung bekam sie ihr erstes größeres Engagement. Zwischen 2016 und 2018 stand sie am Schauspielhaus Kiel in „The Full Monty – Ganz oder Gar Nicht" auf der Bühne. Ein Stoff, der irgendwo zwischen Comedy und sozialer Tragödie liegt und für junge Schauspielerinnen so etwas wie eine erste Belastungsprobe darstellt. Über mehrere Spielzeiten musste sie zeigen, dass sie nicht nur singen und tanzen, sondern auch eine Szene tragen kann, wenn das Licht in den Saal kippt und das Publikum still wird.
2018 wechselte sie kurz auf Kampnagel in Hamburg, eine der ungewöhnlichsten Spielstätten Norddeutschlands. „Don't trust the border" hieß das Projekt – ein Stück, das mit politischen Fragen, mit Migration und mit Sprache experimentierte. Eine Rolle, die mehr verlangt als saubere Choreografie.
Von 2020 bis 2022 folgte das Anhaltische Theater Dessau. Dort spielte sie in „Cabaret", einem Stoff, der in jeder Generation neu aufgeführt wird und immer wieder seine Tücken hat. Wer Sally Bowles spielt oder eine der weiteren weiblichen Hauptfiguren, steht im direkten Vergleich mit Liza Minnelli – und mit jeder Schauspielerin, die danach kam. Papoli-Barawati hat diese Phase über zwei Spielzeiten durchgehalten und sich am Ende den Sprung vor die Kamera erarbeitet.
Die ersten Fernsehrollen
2021 lief „SOKO Potsdam" mit einer Episode namens „Küsse in St. Tropez". Eine kleine Rolle, ein erster Schritt, kein Sprungbrett. 2023 folgte die ZDF-Reihe „Die Drei von der Müllabfuhr – Arbeit am Limit". Hauptdarsteller hier sind seit Jahren Uwe Ochsenknecht und Aljoscha Stadelmann. Wer in einer solchen Reihe als Nebenfigur besteht, bekommt das Etikett „kann auch fürs ältere Publikum". Das ist in Deutschland kein kleines Etikett – die ZDF-Reihen sind die Brücken, über die viele Schauspielerinnen ins Hauptcast gelangen.
Im selben Jahr drehte sie den Kurzfilm „Lang lebe der Fischfriedhof". Ein Projekt, das selten erwähnt wird, das aber laut Filmographien zum festen Bestandteil ihres Lebenslaufs gehört. Solche Kurzfilme dienen oft als Stilproben – für Showrunner, Castingbüros und Agenturen.
Februar 2024: Eintritt in die Sachsenklinik
Im Februar 2024 stellte die ARD vier neue junge Ärzte vor. Neben Linda Kummer als Tamar Hummel, Arne Kertész als Oliver „Olli" Probst und Jakob D'Aprile als Ivo Maric trat Olivia Papoli-Barawati als Sofia Galura auf. Sofia war zunächst PJ-Studentin, eine Figur mit klarem Idealismus, einer chaotischen Note und einem Hang dazu, alte Vorgesetzte zu provozieren. Mit Folge 383 bestand Sofia ihr Staatsexamen und wurde zur Assistenzärztin der Chirurgie.
Für Papoli-Barawati ist das die größte Rolle bisher. Sie steht im Hauptcast einer Serie, die seit elf Jahren Quote macht und die für viele Schauspielerinnen das Karriere-Sprungbrett schlechthin war. Vor ihr haben Sanam Afrashteh, Philipp Danne, Mirka Pigulla oder Roy Peter Link diesen Weg gegangen. Sie alle haben in der Sachsenklinik einen Namen aufgebaut.
Staffel 12: was Sofia jetzt darf
Die zwölfte Staffel startete am 30. April 2026. Sie wird donnerstags um 18:50 Uhr im Ersten gezeigt und parallel in der ARD-Mediathek bereitgestellt. Sofia Galura steht in dieser Staffel nicht mehr im Schatten der älteren Kolleginnen. Sie operiert eigenständig, behandelt eigene Patientinnen und bekommt eine Liebesgeschichte, die quer durch die Folgen läuft. Wer die ersten Folgen gesehen hat, weiß: Galura ist nicht mehr die Anfängerin, die vorsichtig in den Operationssaal blickt. Sie übernimmt.
Diese Verschiebung hat einen Effekt auf Papoli-Barawati. Mehr Drehzeit. Mehr Szenen mit den etablierten Figuren. Mehr Druck, eine Figur konsistent durch zwanzig Folgen zu tragen. In Interviews hat sie diesen Wechsel mit einem nüchternen Satz beschrieben: das Schreiber-Team wisse mittlerweile, was Sofia kann und was nicht. Ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass eine Rolle Substanz bekommt.
Privatleben: kein Statement
Über ihr Privatleben spricht Papoli-Barawati kaum. Sie lebt in Berlin. Sie liest viel. Sie reist gern. Sie postet kleine Beobachtungen aus dem Alltag auf Instagram. Ihr Account @olivia_papoli_barawati hat Stand Mai 2026 rund 5.200 Follower. Wer dem Profil folgt, sieht eher ein Notizbuch als eine Star-Galerie. Bühnenproben, Café-Tische, Reise-Eindrücke aus dem Umfeld der Familie.
Über romantische Beziehungen schweigt sie. Es gibt keine bestätigten Angaben zu einem Partner oder einer Partnerin, keine Kinder, keine öffentliche Linie zur Familienplanung. In einer Branche, in der jeder zweite Account ein Beziehungs-Update pro Quartal liefert, ist diese Zurückhaltung ungewöhnlich – und sie hat einen klaren Effekt: Spekulationen verlaufen sich, weil es keine Spuren gibt, denen man folgen könnte.
Was die Rolle für junge Schauspielerinnen bedeutet
„In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte" ist eine Serie, die viele Karrieren grundiert. Wer hier zwei oder drei Staffeln spielt, bekommt ein Gesicht, einen Wiedererkennungswert und eine Datenbank an Klinikszenen, die für jedes weitere Casting Gold wert ist. Für Papoli-Barawati eröffnet die Rolle Türen, die sie über das Theater allein nie so schnell hätte aufstoßen können.
Zugleich bringt der Cast eine Verantwortung mit. Die Serie wird seit Jahren auch von Pflegekräften, Ärztinnen und Medizinstudierenden geschaut, die genau hinsehen, ob die OP-Handgriffe sitzen, ob die Anrede stimmt, ob die Hierarchien glaubwürdig sind. Wer eine Assistenzärztin spielt, muss diese Welt nicht nachspielen, sondern andeuten können – mit kleinen Bewegungen, kurzen Blicken, einer Art, das Stethoskop zu halten. Genau hier zeigt sich, ob eine Schauspielerin nur eine Rolle abliefert oder eine Figur baut.
Stand Mai 2026
Aktuell läuft Staffel 12, Olivia Papoli-Barawati ist in mehreren Folgen pro Block zu sehen. Über eine mögliche Vertragsverlängerung für Staffel 13 ist offiziell nichts bekannt. Saxonia Media kommentiert solche Personalentscheidungen üblicherweise erst im Spätherbst, kurz bevor die nächste Drehphase startet. Für die Schauspielerin selbst ist die aktuelle Phase ein Test: wie weit trägt Sofia Galura die Serie, wie weit trägt die Serie Sofia Galura. Beides ist im Moment offen.
Wer mehr über die Newcomer der Staffel wissen will: Auch Linda Kummer als Tamar Hummel ist 2024 ins Klinikum eingestiegen. Über die etablierten Figuren rundherum lohnt sich der Blick auf Mirka Pigulla privat sowie Sanam Afrashteh über Tochter und Rückkehr. Und wer wissen will, wie Staffel 12 sich in den ersten Folgen anfühlt, findet hier die Festival-Triage rund um Julia Berger.

