Vier Jahrzehnte im Dienst des Spitzensports
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der deutschen Sportmedizin. Als Orthopäde in München baute er sich eine Praxis auf, die Spitzensportler aus ganz Europa anzieht. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte er als Teamarzt des FC Bayern München — von 1977 bis 2015, dann erneut von 2017 bis 2020: zusammen 40 Jahre an der Seitenlinie des deutschen Rekordmeisters. Parallel betreute er über zwei Jahrzehnte lang die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Sein Behandlungsansatz mit biologischen Substanzen machte ihn in Sportlerkreisen bekannt und brachte ihm den Beinamen «Wunderheiler» ein. Kritiker sahen seine Methoden skeptisch; seine Patienten kamen trotzdem — oder gerade deswegen. Der Ruf: verletzten Sportlern mehr Zeit zur Genesung zu geben, als der Vereinsdruck eigentlich erlaubt.
Bruch mit Guardiola — und ein kühles Urteil nach Jahren
2015 eskalierte der Konflikt zwischen Müller-Wohlfahrt und Trainer Pep Guardiola öffentlich. Guardiola warf ihm vor, verletzte Spieler zu lange aus dem Trainings- und Spielbetrieb herauszuhalten. Müller-Wohlfahrt zog die Konsequenz und trat zurück — anstatt seine medizinischen Standards dem Vereinsinteresse unterzuordnen. Es war eine Entscheidung, die ihm in Ärztekreisen Respekt einbrachte.
Unter Jupp Heynckes kehrte er 2017 zurück; 2020 verließ er den FC Bayern endgültig. Im April 2026 meldete sich der 83-Jährige mit einer deutlichen Warnung: Die Quote der Wiederverletzungen im Profifußball sei so hoch wie nie. Ursache sei der wirtschaftliche Druck auf Vereine — verletzte Topspieler würden zu früh zurückgedrängt, weil ihr Ausfall den sportlichen Erfolg gefährdet. Sein persönliches Fazit nach vier Jahrzehnten im Spitzensport fiel nüchtern aus: «Der Profisport ist kälter und unpersönlicher geworden. Es gibt weniger Kameradschaft.»
Heute behandelt Müller-Wohlfahrt in seiner Münchner Praxis weiterhin Spitzensportler verschiedener Disziplinen — darunter Eishockey-Star Leon Draisaitl, Basketballer Dennis Schröder und Tennisprofi Alexander Zverev. Aufhören steht für ihn noch nicht auf dem Programm: Er arbeite so lange, «bis mir der Himmel signalisiert: Es ist genug.»
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