Vom Kinderfilm zur Schaubühne — ein Werdegang mit klarer Linie
Luise Wolfram ist nicht zufällig Schauspielerin geworden. Die Thüringerin, am 27. Juli 1987 in Apolda geboren und in Jena aufgewachsen, wuchs in einer Familie auf, in der das Handwerk vertraut war: Ihr Onkel Thomas Bading und ihre Tante Claudia Geisler-Bading sind beide bekannte Schauspieler. Bereits mit sieben Jahren stand Luise Wolfram vor der Kamera — in dem preisgekrönten Kinderfilm «Engelchen» (1996), der die Nachwende-Kindheit in Ostdeutschland porträtiert.
Den formalen Schritt folgte 2006: Wolfram begann ihr Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, die zu den härtesten Aufnahmeprüfungen und besten Ausbildungsorten im deutschsprachigen Theater gehört. Nach dem Abschluss holte sie sich ein Ensemble-Engagement an der Schaubühne am Lehniner Platz — kein Umweg über die Provinz, sondern direkt in eines der wichtigsten deutschsprachigen Schauspielhäuser. Das Theaterfundament prägt bis heute ihre Arbeit: eine Körperlichkeit und Präzision, die man vor allem in ihren ruhigeren Szenen spürt.
Charité Staffel 2 — Margot Sauerbruch in den letzten Kriegsjahren
2019 übernahm Luise Wolfram in der zweiten Staffel der ARD-Historieserie «Charité» die Rolle der Margot Sauerbruch. Die Handlung ist in den Jahren 1943 bis 1945 angesiedelt — in der Berliner Charité, während die Stadt um sie herum im Bombenkrieg versinkt. Margot ist die junge Ehefrau des legendären Chirurgen Prof. Ferdinand Sauerbruch, gespielt von Ulrich Noethen, der mehr als dreißig Jahre älter ist als sie.
Das historische Vorbild ist keine Randfigur: Die echte Margot Sauerbruch war zweimal geschieden, als sie nach Berlin kam, studierte Medizin, arbeitete als OR-Assistentin an der Charité und heiratete schließlich Ferdinand Sauerbruch. Wolframs Darstellung zeigt eine Frau, die sich weder von Kriegsideologie noch von männlicher Autorität einengen lässt — selbstbewusst, praktisch denkend, mit einer Loyalität, die sie immer wieder auf die Probe stellt. Regisseur Anno Saul und das Produktionsteam legten Wert auf historische Genauigkeit; für Wolfram bedeutete das intensive Recherche in Briefen und Zeitzeugenberichten.
Die zweite Staffel der «Charité» wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gut aufgenommen — für Wolfram war sie der Beweis, dass sie komplexe historische Frauenfiguren trägt, ohne sie zu Opfern oder Heldinnen zu vereinfachen.
Tatort Bremen und das neue Ermittler-Duo
Das breite Fernsehpublikum lernte Luise Wolfram ab 2016 im Tatort Bremen kennen. Ursprünglich nur für einen einzigen Film als BKA-Spezialistin Linda Selb eingeplant, wurde die Figur schnell zur festen Größe. Linda Selb bringt Bundesebene in die Bremer Ermittlungen — analytisch, diszipliniert, mit einer kühlen Direktheit, die sich von klassischen Ermittlerfiguren abhebt.
2021 zog die ARD die Konsequenz aus dem Zuschauerzuspruch: Das langjährige Bremer Team um Lena Odenthal und Stedefreund schied aus, und Wolfram übernahm gemeinsam mit Jasna Fritzi Bauer das neue Duo. Seither hat sich das Bremer Tatort-Team als eines der ungewöhnlichsten der Reihe etabliert — zwei Frauen, unterschiedliche Hintergründe, keine Klischee-Ermittlerchemie. Zuletzt war Wolfram 2025 im Tatort «Solange du atmest» zu sehen.
Mehr zur Historieserie und zum gesamten Cast findest du in der Charité-Übersicht.


