Hebamme ist seit dem 1. Januar 2020 ein akademischer Beruf. Das Hebammengesetz (HebG) hat die frühere schulische Ausbildung vollständig durch ein duales Hochschulstudium ersetzt. Was das konkret bedeutet, wie der Berufsalltag aussieht und was Hebammen verdienen — hier steht, was du wirklich wissen musst.
Was macht eine Hebamme?
Der Kernbereich ist die Begleitung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen. Das deckt drei klar abgegrenzte Einsatzfelder ab.
Kreißsaal und Klinik: Hebammen leiten Geburten eigenverantwortlich, solange keine ärztliche Indikation vorliegt. Sie überwachen Mutter und Kind unter der Geburt, leiten die Pressphase an, versorgen Dammrisse und übergeben bei Komplikationen an die Gynäkologie. In Kliniken arbeiten viele Hebammen im Schicht- und Bereitschaftsdienst, inklusive Nacht- und Wochenendschichten.
Freiberufliche Tätigkeit: Wochenbettbetreuung (gesetzliche Krankenkassen finanzieren bis zu zwölf Wochen), Vorsorgeuntersuchungen, Stillberatung, Geburtsvorbereitungskurse. Freiberuflerinnen arbeiten entweder rein außerklinisch oder als Beleghebammen — dann begleiten sie ihre Klientinnen auch in die Klinik und betreuen dort die Geburt.
Geburtshäuser: Der dritte Weg liegt zwischen Klinik und Hausgeburt. Geburtshäuser sind außerklinisch, von Hebammen geführt und auf unkomplizierte Geburten ausgelegt.
Neben der Geburtshilfe gehören Beratungsleistungen zum Beruf: Schwangerenvorsorge, Rückbildungsgymnastik, Elternkurse, Beratung bei postpartaler Depression. Die Bandbreite ist größer als das öffentliche Bild der „Kreißsaal-Hebamme" vermuten lässt.
Studium: Duales System seit 2020
Das Hebammengesetz (HebG) ist am 1. Januar 2020 in Kraft getreten und hat die Hebammenausbildung grundlegend reformiert. Seitdem ist der Bachelor of Science der einzige anerkannte Berufsabschluss in Deutschland — die frühere dreijährige schulische Ausbildung gibt es nicht mehr.
Struktur: Duales Studium an einer Hochschule in Kooperation mit einem Praxispartner (Klinik oder freiberufliche Hebamme). Theorie und Praxis wechseln sich ab. Das Studium endet mit dem B.Sc. und einer staatlichen Abschlussprüfung.
Dauer: Mindestens sechs, höchstens acht Semester laut HebG. Die meisten Studiengänge liegen bei sieben oder acht Semestern.
Vergütung im Studium: Die meisten Praxispartner zahlen eine Ausbildungsvergütung — die Höhe variiert, liegt aber in der Regel zwischen 800 und 1.200 Euro brutto monatlich. Wer über einen Kooperationsvertrag mit einem öffentlichen Träger studiert, kann tariflich eingruppiert sein.
Studienplätze: Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Viele Hochschulen vergeben Plätze über einen NC und ein Auswahlverfahren. Wer auf der Wunschliste mehrere Standorte führt, verbessert die Chancen.
Die Umstellung auf das Hochschulstudium hat einen Effekt, der nicht nur bürokratisch ist: Hebammen können heute eigenständig forschen, lehren und Führungspositionen in Kliniken und im Gesundheitsmanagement übernehmen, die vorher akademischen Berufen vorbehalten waren.







