Rund 170.000 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten in Deutschland — in Praxen, Kliniken, Reha-Einrichtungen und im Spitzensport. Der Beruf ist einer der meistgesuchten Gesundheitsberufe, gleichzeitig einer der am heftigsten diskutierten, wenn es um Ausbildungsreform und Bezahlung geht. Dieser Überblick zeigt, was den Job ausmacht, was er kostet, was er bringt und wo er hinführen kann.
Was macht ein Physiotherapeut?
Der Kernauftrag ist die Wiederherstellung, Verbesserung oder Erhaltung von Bewegung und körperlicher Funktion. Konkret heißt das: Befunderhebung, manuelle Behandlung, Übungstherapie, Elektrotherapie, Thermotherapie, Atemtherapie. Jede Behandlung baut auf einer ärztlichen Verordnung auf; die Therapieplanung und -durchführung liegt beim Physiotherapeuten selbst.
Einsatzfelder teilen sich grob in vier Bereiche:
Ambulante Praxis. Der häufigste Arbeitsort. Orthopädie, Neurologie, Chirurgie-Nachsorge, Innere Medizin. Viel Einzeltherapie, direkter Patientenkontakt, eigenverantwortliche Terminplanung. Gehalt meist am unteren Marktrand, dafür geregelte Tageszeiten.
Klinik und Krankenhaus. Akutversorgung, postoperative Rehabilitation, Intensivstation (Atemtherapie, Frühmobilisation). TVöD-Tarifbindung ist möglich und häufig, das schützt vor Dumpinglöhnen. Schichtarbeit inklusive.
Stationäre Rehabilitation. Reha-Kliniken für Orthopädie, Neurologie, Kardiologie oder Onkologie. Längere Therapieverläufe, enge Zusammenarbeit im interdisziplinären Team. Für viele der befriedigendste Arbeitsort.
Sport. Sportvereine, Sportmedizinische Zentren, Olympiastützpunkte. Saisonale Belastungen, Wettkampfbetreuung, oft Projektverträge. Zertifikat Sportphysiotherapie (DOSB-anerkannt) fast immer Voraussetzung.
Ausbildung: MPhG, drei Jahre, kein Schulgeld in 14 Bundesländern
Die Ausbildung ist bundesweit durch das Masseur- und Physiotherapeuten-Gesetz (MPhG) geregelt. Drei Jahre an einer staatlich anerkannten Berufsfachschule, bestehend aus theoretischem Unterricht (mindestens 2.900 Stunden) und Praktika in Kliniken und Praxen (mindestens 1.600 Stunden). Abschluss: staatliche Anerkennung als Physiotherapeut/in.
Die Schulgeld-Frage ist politisch seit Jahren heiß. Laut Physio Deutschland sind inzwischen in rund 14 von 16 Bundesländern die Ausbildungskosten ganz oder teilweise abgedeckt. NRW übernimmt das Schulgeld zu 100 Prozent über das Land; Hamburg hat Schulgeldfreiheit bis Ende 2026 eingeführt; Brandenburg und Bremen finanzieren Schulen über das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG). Bayern diskutiert die Weiterführung über den Haushalt 2026/27. Wer eine Schule anfragt, sollte den aktuellen Status direkt dort klären — Regelungen ändern sich.
Eine Ausbildungsvergütung gibt es an den meisten Berufsfachschulen nicht automatisch; manche Träger zahlen eine geringe Vergütung oder ein Stipendium, das ist nicht einheitlich geregelt.
Hochschulstudium. Parallel zur Berufsfachschule gibt es seit Jahren Bachelor- und Masterstudiengänge in Physiotherapie. Politisch ist die Vollakademisierung umstritten: Grüne und SPD befürworten sie, die CDU lehnte in der letzten Legislaturperiode eine Vollakademisierung ab, favorisiert eine Teilakademisierung. Derzeit werden in Deutschland rund 94 Prozent der Physiotherapeuten fachschulisch ausgebildet (Quelle: CHE Centrum für Hochschulentwicklung 2023). Ein Studium lohnt sich vor allem für Lehrende, Wissenschaft oder internationale Karrieren.
Mehr Details zur Physiotherapeut-Ausbildung findest du im eigenen Überblick.







