Psychologie studieren war lange nicht dasselbe wie Psychotherapeut werden wollen. Wer approbierter Psychologischer Psychotherapeut werden wollte, musste nach dem Studium nochmal von vorn beginnen — Ausbildungsinstitut, Lehrtherapie auf eigene Kosten, oft unter 1.000 Euro Vergütung oder gar nichts. Das hat die Reform 2020 strukturell verändert.
Was bleibt: Der Weg ist lang. Zehn Jahre bis zum Kassensitz sind die realistische Untergrenze.
Das neue Studium: Bachelor und Master Psychotherapie
Seit dem Wintersemester 2020/21 gibt es an deutschen Universitäten den Studiengang Psychotherapie — eigenständig, nicht mehr als Anhängsel an die Psychologie.
Bachelor Psychotherapie (B.Sc.) — 6 Semester, 3 Jahre
Der Bachelor ist das Fundament: Grundlagen der Psychologie, Psychopathologie und Diagnostik, Entwicklungspsychologie, erste Einführungen in Therapieverfahren. Die Inhalte sind klinisch ausgerichtet, aber noch nicht verfahrensspezifisch. Wer nach dem Bachelor merkt, dass der Weg nicht für ihn ist, kann in verwandte Masterprogramme wechseln — der Abschluss ist polyvalent konzipiert.
NC: Je nach Hochschule zwischen 1,0 und 2,7. An besonders gefragten Standorten (Köln, München, Berlin) ist der Numerus clausus eng. Alternativen: TMS (Test für Medizinische Studiengänge), Auswahlgespräche oder Wartesemester. Quelle: psychologie-studieren.de.
Kosten staatliche Hochschule: Nur Semesterbeiträge — 60 bis 450 Euro je nach Bundesland und Hochschule. Keine Studiengebühren im eigentlichen Sinne. An privaten Hochschulen liegen die monatlichen Studiengebühren bei 420 bis 975 Euro.
Master Psychotherapie (M.Sc.) — 4 Semester, 2 Jahre
Im Master wird es klinisch konkret. Klinische Praktika in Klinik und Ambulanz sind Pflicht, die verfahrensspezifische Ausbildung beginnt, Selbsterfahrungsstunden kommen hinzu. Zum Masterabschluss sind mindestens 600 Stunden klinische Praktikumszeit zu belegen. Danach folgt:
Staatliche Psychotherapeutische Prüfung — schriftlich und mündlich, abgenommen von den Approbationsbehörden der Bundesländer. Bei Bestehen: Approbation als Psychologischer Psychotherapeut (PP) oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut (KJP), je nach Schwerpunkt des Masterstudiengangs.
Das Wichtigste: Die Approbation kommt jetzt direkt nach dem Studium. Kein weiteres Warten, kein separates Ausbildungsinstitut mehr. Wer approbiert ist, darf sofort als Psychotherapeut tätig sein — in Kliniken, Beratungsstellen, Privatpraxen.
Quelle: Bundesgesundheitsministerium — PsychThG 2020; DPtV; Bundesgesundheitsministerium-Website.
Das alte System: Noch bis 2032 möglich, dann Schluss
Wer vor der Reform 2020 ein klassisches Psychologiestudium (B.Sc. + M.Sc. Psychologie) begonnen oder abgeschlossen hat, kann den alten nachgradualen Weg noch gehen. Die Ausbildung an einem staatlich anerkannten Ausbildungsinstitut läuft dabei über 3 Jahre in Vollzeit (oder 5 Jahre berufsbegleitend) und endet mit der Approbationsprüfung.
Übergangsfristen:
- Regulär: Abschluss der nachgradualen Ausbildung bis 31. August 2032
- Härtefälle (nachgewiesene Unterbrechung durch Krankheit, Schwangerschaft u. ä.): bis 31. August 2035
Wer heute noch in der alten Ausbildung steckt, kann und sollte sie zu Ende führen. Ein Wechsel ins neue System setzt einen vollständigen Neubeginn des Masterstudiums Psychotherapie voraus — das ist in den meisten Fällen weder sinnvoll noch erforderlich.
Was bleibt offen: Psychologen mit M.Sc. Psychologie, die noch nicht mit der nachgradualen Ausbildung begonnen haben, stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Das alte Recht bietet noch ein kurzes Fenster; das neue System setzt einen anderen Masterstudiengang voraus. Wer sich das offen halten will, sollte schnell handeln und sich bei der zuständigen Approbationsbehörde beraten lassen.







