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Historisches Klinik-Setting – Charité-Symbolbild zu Nina Kunzendorf
Charité2026-06-01

Nina Kunzendorf als Dr. Ingeborg Rapoport: Die Ärztin, die 77 Jahre warten musste

In Charité Staffel 3 (ARD, 2021) spielt Nina Kunzendorf die reale Neonatologin Dr. Ingeborg Rapoport — eine Ärztin, der die Nazis 1938 den Doktortitel verwehrten und die ihn erst mit 102 Jahren verteidigen durfte. Eine der eindringlichsten Rollen ihrer Karriere.

Bild: KI-generiert · Medicsingles
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Welche Rolle spielt Nina Kunzendorf in Charité?

In der dritten Staffel von Charité (ARD, Januar 2021) spielt Nina Kunzendorf die Ärztin Dr. Ingeborg Rapoport. Die Handlung ist im Berlin der frühen 1960er-Jahre angesiedelt — kurz vor dem Mauerbau. Das historische Vorbild, die jüdisch-deutsch-amerikanische Neonatologin Ingeborg Rapoport (1912–2017), wurde 1938 von den Nationalsozialisten an ihrer Doktorprüfung gehindert und verteidigte ihre Dissertation erst 2015 im Alter von 102 Jahren.

Foto: © JCS / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Eine Ärztin, der die Nazis 1938 den Doktortitel raubten. Ein Mauerbau, der ein Krankenhaus und seine Mitarbeiter zerschnitt. Und eine Schauspielerin, die dieser Geschichte das nötige Gewicht gibt. Nina Kunzendorf verkörpert in Charité Staffel 3 eine Frau, deren Geschichte kaum zu glauben wäre — wäre sie nicht wahr.

Dr. Ingeborg Rapoport: Die Frau hinter der Rolle

Die dritte Staffel von Charité (ARD, 2021) spielt im Berlin des Jahres 1961 — kurz vor dem Mauerbau. Mittendrin: Dr. Ingeborg Rapoport, gespielt von Nina Kunzendorf. Das historische Vorbild ist so außergewöhnlich, dass es kaum eines dramaturgischen Eingriffs bedurfte.

Ingeborg Rapoport wurde 1912 geboren, studierte Medizin in Hamburg und verfasste eine Dissertation über Diphtherie bei Neugeborenen. 1938 sollte sie die mündliche Doktorprüfung ablegen — doch die Universitätsbehörden verweigerten ihr die Zulassung wegen ihrer jüdischen Herkunft. Sie emigrierte in die USA, wo sie tatsächlich promovierte und als Kinderärztin arbeitete. In den 1950er-Jahren kehrte sie — während des McCarthyismus aus den USA verwiesen — nach Ostberlin zurück. Ab 1958 leitete sie die Säuglings- und Frühgeborenenstation der Charité und baute dort schrittweise die erste spezialisierte Neonatologie-Abteilung Deutschlands auf. 1969 erhielt sie den ersten Lehrstuhl für Neonatologie in Deutschland. Ihr Team senkte die Kindersterblichkeit in der DDR messbar.

2015 — mit 102 Jahren — verteidigte Ingeborg Rapoport ihre ursprüngliche Hamburger Dissertation erfolgreich. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen: Eine der ältesten Promovendinnen der deutschen Geschichte bekam posthum, was ihr 77 Jahre zuvor verwehrt worden war. Sie starb 2017 im Alter von 104 Jahren. Die Charité Berlin erinnert heute mit dem Ingeborg-Rapoport-Fellowship an ihr Werk.

Nina Kunzendorf: Mehr als ein TV-Gesicht

Dass Nina Kunzendorf für diese Rolle gewählt wurde, überrascht niemanden, der ihre Arbeit kennt. Die Schauspielerin steht seit Jahrzehnten für Figuren, die mehr tragen, als sie zeigen — Frauen mit Haltung, mit Widersprüchen, mit Geschichte.

Einem breiten Fernsehpublikum wurde sie als Tatort-Kommissarin Conny Mey bekannt: Von 2011 bis 2013 ermittelte sie im Frankfurter Tatort des Hessischen Rundfunks an der Seite von Joachim Král als Frank Steier. Ihr Ausstand 2013 mit dem Fall „Wer das Schweigen bricht" hinterließ ein Ermittlerteam, das bis dahin für psychologische Tiefe bekannt war. Bereits 2006 hatte Kunzendorf den Grimme-Preis Gold für ihre Rolle in „Polizeiruf 110 — Der scharlachrote Engel" gewonnen; 2012 folgte ein weiterer Grimme-Preis für ihre Arbeit im Tatort Frankfurt.

Im Kino bewies sie ihre Qualitäten in Christian Petzolds Film Phönix (2014): Als Nina, eine Holocaust-Überlebende, die von ihrem Mann nicht mehr erkannt wird, lieferte Kunzendorf eine der zurückhaltendsam stärksten Leistungen des deutschen Kinos dieses Jahrzehnts. Für die Nebenrolle in diesem Film erhielt sie den Deutschen Filmpreis 2015. Ihre Theaterarbeit an Schaubühne, Deutschem Theater Berlin und Burgtheater Wien rundet ein Profil ab, das weit über das Fernsehen hinausgeht.

Charité Staffel 3 — Geschichte, die sitzt

Die dritte Charité-Staffel startete am 12. Januar 2021 im Ersten und wurde von 5,84 Millionen Zuschauern gesehen — der stärkste Auftakt seit Staffel 2. Für Zuschauer aus Medizin, Pflege und Rettungsdienst trägt diese Staffel eine besondere Bedeutung: Sie zeigt, unter welchen politischen und ideologischen Bedingungen Ärzte und Ärztinnen in der geteilten Stadt arbeiteten. Die Charité lag buchstäblich auf der Grenze — Personal, das in Westberlin wohnte und in Ostberlin arbeitete, stand plötzlich vor einer Mauer.

Nina Kunzendorf gibt Ingeborg Rapoport dabei keine heroische Überhöhung. Ihre Darstellung zeigt eine Ärztin, die in einem System arbeitet, das ihr misstraut — und die trotzdem kämpft: für ihre Patienten, für ihre Abteilung, für die Neonatologie als Fach. Eine Haltung, die in der Gegenwart nichts von ihrer Relevanz verloren hat.

Quellen: ARD Charité Pressemitteilung Staffel 3 (charite.de, 2021), Deutsches Ärzteblatt Nachruf Ingeborg Rapoport, Charité Universitätsmedizin Berlin (ingeborg-rapoport-fellowship.charite.de), Tagesspiegel Nachruf (2017), IMDb Nina Kunzendorf (nm0475365), Grimme-Preis Datenbank.

Das Wichtigste

  • Nina Kunzendorf spielt in Charité Staffel 3 (ARD, 2021) die reale Ärztin Dr. Ingeborg Rapoport — eine Pionierin der Neonatologie, der die Nazis 1938 den Doktortitel verwehrten. Das historische Vorbild verteidigte ihre Dissertation erst 2015, mit 102 Jahren.
  • Ingeborg Rapoport baute ab 1958 an der Charité die erste spezialisierte Neonatologie-Abteilung Deutschlands auf und reduzierte die Kindersterblichkeit in der DDR erheblich — ein medizinhistorisches Erbe, das die ARD-Serie greifbar macht.
  • Kunzendorf ist eine der vielseitigsten deutschen Schauspielerinnen: Tatort Frankfurt (Conny Mey, 2011–2013), Kinofilm Phönix (Deutscher Filmpreis 2015), Grimme-Preis Gold 2006 — eine Karriere zwischen Kino, TV und Theater.
  • Die Charité-Staffel 3 startete am 12. Januar 2021 mit 5,84 Millionen Zuschauern im Ersten — eine der stärksten Historienproduktionen der ARD in diesem Jahrzehnt.

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Tommy Honold — Autor beim Medicsingles Magazin

Tommy Honold

Gründer & Dating-Experte

Meisterkoch, Marine-Feldkoch, CEO — und seit 2008 der Mann hinter dem grössten Berufs-Dating-Netzwerk im DACH-Raum. Tommy Honold bringt mit medicsingles.de Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten zusammen, die wissen, wie Schichtdienst und emotionale Last wirklich wiegen.