Foto: © Martin Kraft / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Philipp Hochmair ist ein Schauspieler, der Grenzen überquert — nicht nur zwischen Bühne und Bildschirm, zwischen Hochkultur und Elektropop, sondern in Charité Staffel 3 auch im wörtlichen Sinne: Er spielt einen Mann, der an der Berliner Mauer blieb, als die meisten flohen.
Prof. Otto Prokop — der Forensiker an der Mauer
Die dritte Staffel von Charité startete am 12. Januar 2021 im Ersten und spielt im Sommer 1961 — kurz vor und während des Mauerbaus, der die Ost-Berliner Charité buchstäblich zur Grenzinstitution machte. Philipp Hochmair verkörpert den historisch verbürgten Prof. Otto Prokop, Leiter des Instituts für Gerichtliche Medizin. Der gebürtige St. Pöltner Prokop kam 1956 als Professor an die Humboldt-Universität Berlin und leitete das forensisch-medizinische Institut der Charité von 1958 bis 1987. Als am 13. August 1961 die DDR die Grenzen schloss, war es eine bewusste Entscheidung: Prokop blieb in Ost-Berlin, unterzeichnete eine Loyalitätserklärung und arbeitete fortan in einem Land, das seine eigenen Bürger erschoss. Die Opfer des Grenzregimes — die sogenannten Mauertoten — landeten auf seinem Seziertisch. Regie führte Tatort-Regisseurin Christine Hartmann, die die sechs Episoden in präzisen Doppelfolgen erzählt.
Zwischen Burgtheater, Salzburg und Elektropop
Hochmair, geboren am 25. Juni 1973 in Wien, absolvierte seine Ausbildung am renommierten Conservatoire National Supérieur d'Art Dramatique in Paris sowie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien — ein Fundament, das man in seiner Präzision auf der Bühne hört und sieht. Im deutschsprachigen Theater gehört er seit Jahren zur ersten Riege: 2018 sprang er kurzfristig als Jedermann bei den Salzburger Festspielen ein und wurde umgehend zum gefeierten Titeldarsteller. Seit 2024 spielt er die Rolle dauerhaft in Robert Carsens Inszenierung auf dem Domplatz — 2026 mit Roxane Duran als neuer Buhlschaft. Parallel dazu existiert sein musikalisch-theatrales Alter Ego: Mit dem Projekt «Die Elektrohand Gottes», das er 2013 gründete, verwandelt Hochmair Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel in ein apokalyptisches Rockkonzert, bei dem er sämtliche Rollen selbst spricht und spielt.
Aktuelle Projekte: Blind ermittelt, Freud und mehr
Dem breiten Fernsehpublikum ist Hochmair vor allem als blinder Kriminalassistent Alexander Haller in der ORF-Reihe «Blind ermittelt» vertraut, die seit 2017 regelmäßig auch im Ersten ausgestrahlt wird. Im Oktober 2024 begannen die Dreharbeiten für zwei neue Fälle, darunter «Geister der Vergangenheit», in dem Haller unter Drogen gesetzt und entführt wird. Für ZDF dreht Hochmair ab 2026 die neue Krimireihe «Der Geier» in Bad Gastein. Im Dezember 2025 war er zudem als Kaiser Joseph II. in der ARD-Serie «Romy» über Mozarts Schwester zu sehen. Der Jedermann-Sommer in Salzburg wird 2026 mit neuer Buhlschaft fortgesetzt — Hochmair bleibt einer der meistbeschäftigten und vielseitigsten Schauspieler im deutschsprachigen Raum.

