Vom Burgtheater zur Berlinale — eine Karriere zwischen den Welten
Philipp Hochmair wurde am 25. Juni 1973 in Wien geboren und wuchs in einer Stadt auf, die Theatertraditionen wie kaum eine andere in Europa pflegt. Seine Ausbildung führte ihn zunächst ans Max-Reinhardt-Seminar in Wien und danach an das renommierte Conservatoire National Supérieur d'Art Dramatique in Paris — eine ungewöhnliche Kombination, die seinen späteren Stil prägte: präzise, europäisch, nie vorhersehbar.
Erste große Aufmerksamkeit erlangte er auf den Bühnen des deutschsprachigen Raums, darunter das Burgtheater Wien. Den eigentlichen Durchbruch beim breiten Publikum brachten ihm jedoch die Salzburger Festspiele: Von 2013 bis 2017 spielte er fünf Spielzeiten lang den Jedermann auf dem Domplatz — die wohl bekannteste Freilichtrolle des deutschsprachigen Theaters. Mit seiner körperlich intensiven, unkonventionellen Interpretation des sterbenden Reichen setzte er einen Kontrapunkt zu den klassischen Vorgängern und polarisierte dabei auf die beste Art.
Parallel zur Theaterlaufbahn entstand ein zweites künstlerisches Leben: Gemeinsam mit dem Musiker Thomas Weigelt gründete er das Elektropop-Projekt «Elektrohand Gottes», das seit 2006 Alben veröffentlicht und mit Bühnen-Performances auftritt, die Konzert und Sprechtheater verschmelzen. Das ist kein Hobby, sondern ein konsequentes Statement: Hochkultur und Popkultur sind für Hochmair keine Gegensätze.
Sigmund Freud, Prof. Otto Prokop und die Medizin auf der Leinwand
Das Fernsehen entdeckte Hochmair spät, aber nachhaltig. Seit 2017 spielt er für den ORF in der Krimireihe «Blind ermittelt» den blinden Kriminalassistenten Alexander Haller — eine Figur, die ohne Augen mehr sieht als seine sehenden Kollegen. Die Reihe wird regelmäßig im Ersten ausgestrahlt und hat sich als Quotenerfolg in Österreich und Deutschland etabliert.
2020 folgte der internationale Schritt: Netflix besetzte Hochmair in der österreichisch-deutschen Co-Produktion «Freud» als Sigmund Freud im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Serie mischte historische Biografie mit Kriminalfall und übernatürlichen Elementen — und Hochmairs Freud war ihr nervöses Zentrum. Die Präsentation auf der Berlinale 2020 brachte dem Projekt internationale Aufmerksamkeit.
In «Charité» Staffel 3 (ARD, 2021) schloss sich ein weiterer medizinisch-historischer Kreis. Hochmair verkörpert Prof. Otto Prokop, den forensischen Pathologen der Ost-Berliner Charité im Jahr 1961 — wenige Monate vor dem Mauerbau. Der historische Prokop war eine der zentralen Autoritäten der DDR-Gerichtsmedizin, sein Lehrbuch gilt bis heute als Standardwerk. Die Staffel erzählt vom dramatischen Aderlass des Gesundheitssystems, das zusah, wie Hunderte Ärzte in den Westen flohen — und von jenen, die blieben. Hochmairs Prokop ist einer der Ambivalenten: ein Mann des Systems, aber auch ein Wissenschaftler mit eigenem Gewissen.
Privat: Wien, Diskretion und die Bühne als Heimat
Über sein Privatleben spricht Philipp Hochmair kaum. Er lebt in Wien, und wer ihn in Interviews beobachtet, merkt schnell: Die Bühne und die Figuren, die er spielt, sind sein eigentlicher Lebensraum. Beziehungen, Familie, Alltag — das bleibt konsequent im Hintergrund, nicht aus Kalkül, sondern offensichtlich aus Überzeugung.
Was öffentlich ist, genügt als Bild: ein Schauspieler, der den Jedermann tanzte, der Sigmund Freud halluzinieren ließ, der einen blinden Ermittler sehend macht — und der nebenbei Elektropop aufnimmt. Nicht weil er Aufmerksamkeit braucht, sondern weil ihn die Arbeit selbst antreibt. Das ist in einer Branche voller Selbstinszenierung keine Kleinigkeit.
Mehr Hintergründe zur ARD-Serie mit Hochmairs Figur findest du in der Charité-Übersicht.


