Vom Theaterkind zum Grimme-Preisträger
Franz Hartwig wuchs in Dresden auf und fand früh den Weg zur Bühne — zunächst in der Jugendschauspielgruppe des Theaters Junge Generation, einer der renommiertesten Kinder- und Jugendtheatereinrichtungen Sachsens. Nach dem Abitur zog er nach Berlin und begann 2006 das Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, die er 2010 abschloss. Noch während der Ausbildung spielte er am bat-Studiotheater Franz Biberkopf in «Berlin Alexanderplatz» — eine frühe Probe seines Talents für vielschichtige, schwierige Charaktere.
Von 2009 bis 2014 gehörte Hartwig als festes Ensemblemitglied zur Schaubühne am Lehniner Platz, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Sprechtheater. Er stand in Klassikern wie «Die Nibelungen» und «Der Kirschgarten» auf der Bühne und baute so ein handwerkliches Fundament, das ihn bis heute auszeichnet. Den Sprung ins Kino schaffte er mit dem Kinderfilm «Männerherzen … und die ganz, ganz große Liebe» (2011) und einem Auftritt im internationalen Spionagethriller «A Most Wanted Man» (2014) an der Seite des kurz darauf verstorbenen Philip Seymour Hoffman.
Fernsehen: Der Pass, Charité und Wirecard
Den entscheidenden Durchbruch im deutschen Fernsehen brachte die deutsch-österreichische Koproduktion «Der Pass – Pagan Peak» (Sky, 2018–2019). Als Gregor Ansbach — ein charismatischer, tief narzisstischer Serienmörder — zeigte Hartwig eine Intensität, die Kritiker und Publikum gleichermaßen elektrisierte. Die Leistung wurde 2020 mit dem Grimme-Preis belohnt, der höchsten Auszeichnung für deutsche Fernsehproduktionen.
2021 folgte seine wohl bekannteste Arztrolle: In der dritten Staffel von «Charité» (ARD) spielt er Dr. Curt Bruncken, einen selbstbewussten Chirurgen im Ost-Berlin des Jahres 1961. Die Handlung setzt kurz vor dem Mauerbau ein — in einem Krankenhaus, dem die Ärzte und Pflegekräfte scharenweise Richtung Westen davonlaufen. Brunckens Figur steht für den Typus des Unbeugsamen: ein Arzt, dem persönliche Freiheit wichtiger ist als Systemkonformität, und der die junge Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich) mit eben diesem Freiheitsdrang fasziniert und in einen inneren Konflikt zieht. Ebenfalls 2021 übernahm Hartwig im Doku-Drama «Der große Fake – Die Wirecard-Story» die Rolle des Ex-Wirecard-Vorstands Jan Marsalek — erneut ein Charakter, der Intelligenz, Rücksichtslosigkeit und Faszination in sich vereint.
Ein Schauspieler jenseits des Mainstreams
Franz Hartwig sucht keine Rollen im Mainstream-Unterhaltungsfernsehen — er sucht Figuren, die unter der Oberfläche brennen. Ob Serienmörder, DDR-Chirurg oder Finanzbetrüger: Die Bandbreite seiner Charaktere zeigt einen Schauspieler, der sich nicht wiederholt. Nominierungen für den Deutschen Schauspielpreis (2016, «Zwei verlorene Schafe» mit Andrea Sawatzki) und internationale Kinörfahrung ergänzen ein Werk, das für sein Alter ungewöhnlich vielschichtig ist.
Hartwig lebt in Berlin — nah an der Schaubühne, die ihn geprägt hat, und nah an einer Filmlandschaft, in der er sich als einer der verlässlichsten Charakterdarsteller seiner Generation etabliert hat. Wer ihn als Dr. Curt Bruncken in «Charité» gesehen hat, versteht, warum Regisseure immer wieder auf ihn zurückgreifen: Er macht Widersprüche glaubwürdig.
Mehr News und Hintergründe zu «Charité» und dem gesamten Cast findest du in der Charité-Übersicht.


