Münchner Kindheit, Künstlerdynastie, eigener Weg
Justus von Dohnányi wurde am 21. Mai 1960 in München geboren — in eine Familie, in der Rang und Geschichte kein leeres Wort sind. Sein Vater Christoph von Dohnányi gehört zu den renommiertesten Dirigenten der Nachkriegszeit: Chefdirigent des Cleveland Orchestra von 1984 bis 2002, danach Chefdirigent des NDR-Elbphilharmonie Orchesters, Dauergast auf den grossen internationalen Podien. Sein Grossvater Hans von Dohnányi war Jurist im Reichsjustizministerium und gleichzeitig aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus — er wurde 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, im KZ Sachsenhausen ermordet.
In einem solchen Umfeld zu sich selbst zu finden, verlangt Richtungssinn. Dohnányi entschied sich für die Schauspielerei und absolvierte seine Ausbildung in München und New York. Der Weg führte ihn nicht über die schnelle Fernsehprominenz, sondern über die Bühne und das Kino — eine Grundlage, die seinem Spiel bis heute anzumerken ist: wenig Lärm, viel Substanz.
Von Schtonk! über Männerherzen zur Charité
Den ersten breiten Kinörfolg brachte 1992 «Schtonk!» — Helmut Dietls Satire über die Fälschung der Hitler-Tagebücher, die den Deutschen Filmpreis gewann und für den Oscar eingereicht wurde. Dohnányi war Teil eines Ensembles, das zeigte, wie man eine aufwendige Komödie auch handwerklich ernst nehmen kann.
In den 2000er- und 2010er-Jahren folgten vor allem Publikumserfolge im Komödienfach: «Männerherzen» (2009) und seine Fortsetzungen um eine Gruppe Berliner Männer zwischen Liebe und Alltag, dazu «Frau Müller muss weg» (2015), wo er an der Seite von Anke Engelke und Ken Duken eine Schulelternabend-Satire trug. Beide Produktionen liefen in den deutschen Kinos sehr erfolgreich.
Parallel dazu war er regelmässig in «Tatort»- und «Polizeiruf 110»-Folgen zu sehen — jenen Formaten, in denen das deutsche Fernsehen seine stärksten Charakterdarsteller verlässlich einsetzt. Im Jahr 2017 holte ihn die ARD dann für eine der anspruchsvollsten Serienproduktionen des deutschen Fernsehens: «Charité».
Als Robert Koch in Staffel 1 — die das Jahr 1888 an der Berliner Universitätsklinik zeigt — tritt Dohnányi einen historisch verankerten Charakter an, der längst in jedes Schulbuch eingegangen ist. Koch gilt als Entdecker des Tuberkulose- und des Cholera-Erregers; er erhielt 1905 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Serie zeigt ihn auf dem Höhepunkt seines Ruhms, aber auch in den Konflikten einer Universitätsklinik, in der Prestige und Wissenschaft untrennbar verflochten sind. Dohnányi spielt diese Spannung ohne heroische Vereinfachung — Koch bei ihm ist Wissenschaftler und Mensch zugleich.
Diskretion als Haltung
Über sein Privatleben ist öffentlich wenig bekannt. Dohnányi gibt keine Interviews zu Familie oder Beziehungen und ist auf sozialen Plattformen nicht präsent — eine Haltung, die in der deutschen Filmszene selten, aber respektiert ist. Bei Premieren, wie der Kinopremiere von «Frau Müller muss weg» im Januar 2015 in Köln oder dem arte-Empfang bei der Berlinale 2023, gibt er sich kollegial und zugänglich, ohne private Details preiszugeben.
Das passt zu einem Schauspieler, dessen Werk vor der Person steht. Wer Justus von Dohnányi sucht, findet ihn in seinen Rollen — im Laborkittel Robert Kochs im Berlin des Jahres 1888 genauso wie in den Berliner Wohnzimmern der «Männerherzen»-Reihe. Das ist mehr als genug.

