Die Charité ist kein gewöhnlicher Serienort — sie ist ein echtes Krankenhaus mit über 300 Jahren Geschichte, das Medizingeschichte geschrieben hat. Die ARD hat diesen Stoff in drei Staffeln verfilmt, jede in einer anderen Epoche, jede mit einer anderen Besetzung.
Die Serie und das Konzept
Die ARD-Anthologie-Serie „Charité" erzählt keine durchgehende Geschichte über Figuren, die sich von Staffel zu Staffel entwickeln. Stattdessen setzt jede Staffel in einem anderen Jahrhundert neu an — am selben Ort, im selben Krankenhaus, aber mit einer vollständig neuen Besetzung und anderen historischen Figuren. Das macht die Serie ungewöhnlich: Wer Staffel 1 kennt, findet in Staffel 2 kein vertrautes Gesicht mehr.
Produziert wurde die Serie von UFA Fiction für Das Erste. Drehbuchautorin Dorothee Schön und ihre Mitarbeiter haben reale Personen der deutschen Medizingeschichte mit fiktiven Figuren verknüpft — Pflegekräfte, Assistenzärzte und Patienten, die dem Publikum einen anderen Blick auf die großen Namen ermöglichen als ein reines Biopic. Die Berliner Charité selbst war an allen drei Produktionen beteiligt und begleitete die historische Recherche.
Staffel 1 unter der Regie von Sönke Wortmann startete am 21. März 2017 mit einem der stärksten Quoten-Auftakte, den Das Erste in diesem Jahrzehnt für eine neue Eigenproduktion verbuchen konnte: 8,32 Millionen Zuschauer und 25,9 Prozent Marktanteil beim Doppelauftakt.
Die drei Epochen: 1888, 1943 und 1961
Staffel 1 — Berlin 1888: Die erste Staffel versetzt das Publikum in die Gründerjahre der modernen Medizin. Im Zentrum stehen Forscher wie Robert Koch{rel="nofollow noopener"} (gespielt von Justus von Dohnányi), Emil von Behring (Matthias Köberlin) und Paul Ehrlich (Christoph Bach). Diese Männer arbeiteten damals tatsächlich gleichzeitig an der Charité und stritten um Methoden, Ruhm und Patente — unter anderem den Tuberkulin-Streit zwischen Koch und Virchow. Die fiktive Krankenpflegerin Ida Lenze (Alicia von Rittberg) und die Medizinstudentin Hedwig Freiberg (Emilia Schüle) geben dem Zuschauer den Zugang zur Alltagsseite des Klinikbetriebs dieser Zeit.
Staffel 2 — Berlin 1943: Regie führte Anno Saul, die gesamte Besetzung wurde ausgetauscht. Die zweite Staffel spielt während des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht Staroperateur Ferdinand Sauerbruch — eine der umstrittensten Figuren der deutschen Medizingeschichte, Mitläufer und Lebensretter in einer Person. Ulrich Noethen spielt ihn mit einer Schwere, die der Figur gerecht wird. Jannik Schümann verkörpert Otto, den Bruder der Hauptfigur — ein Medizinstudent, der sich dem NS-Regime widersetzt und dafür einen hohen Preis zahlt.
Staffel 3 — Berlin 1961: Die dritte Staffel startet kurz vor dem Mauerbau und endet mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961. Das Klinikum lag direkt auf der Sektorengrenze — ein Umstand, der für das Personal dramatische Folgen hatte. Nina Gummich spielt die junge Ärztin Ella, aus deren Perspektive die Staffel erzählt wird. Uwe Ochsenknecht ist als Gynäkologe Professor Helmut Kraatz zu sehen. Mit Ingeborg Rapoport rückt außerdem eine der ersten Frauen in den Fokus, die in Deutschland eine Professur in der Medizin anstrebten. Staffel 3 startete am 12. Januar 2021 mit 5,84 Millionen Zuschauern — deutlich stärker als der Start von Staffel 2.
Die Darsteller
Jede Staffel bringt ein neues Ensemble mit. In Staffel 1 sind Emilia Schüle und Alicia von Rittberg die zentralen weiblichen Figuren — beide damals noch am Beginn größerer Karrieren, beide inzwischen in internationalen Produktionen zu sehen. Alicia von Rittberg ist heute einem breiten Publikum auch durch die Netflix-Serie „Becoming Elizabeth" bekannt.
In Staffel 2 übernimmt Ulrich Noethen die Hauptrolle. Der Münchner Schauspieler gehört zu den etabliertesten Namen im deutschen Fernsehen — vom Tatort bis zu internationalen Koproduktionen. Jannik Schümann komplettiert das Stamm-Ensemble von Staffel 2 als Figur, die den moralischen Widerspruch der Zeit in einer Person trägt.
Staffel 3 präsentiert Nina Gummich als treibende Kraft. Die Berlinerin war vor der Charité bereits in „Babylon Berlin" und „Das letzte Wort" zu sehen. Neben ihr liefert Uwe Ochsenknecht als autoritärer Klinikchef einen der stärksten Auftritte seiner Karriere der 2020er-Jahre.
Für Medicsingles-Leserinnen und -Leser — Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienst-Profis — ist die Charité-Serie mehr als Unterhaltung. Sie zeigt, dass die Medizin immer auch ein Ort politischer, sozialer und persönlicher Konflikte war. Und dass die Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten, schon immer mehr geleistet haben, als ihre Berufsbezeichnung vermuten lässt.
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Quellen: ARD/Das Erste Pressemitteilungen, Wikipedia „Charité (Fernsehserie)", fernsehserien.de Cast-Übersicht, DWDL Quotencheck, Charité Universitätsmedizin Berlin Pressemitteilung Staffel 3.
