Aus einer Theaterfamilie — zwischen Halle, Leipzig und der Bühne
Nina Gummich wuchs in einer Familie auf, in der Schauspiel nicht Beruf, sondern Lebensweise war. Ihre Mutter, Anne-Kathrin Gummich, lehrt Schauspiel als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater «Felix Mendelssohn Bartholdy» in Leipzig — und ist selbst Schauspielerin und Regisseurin. In Halle (Saale) geboren, in Leipzig aufgewachsen: Schon als Kind stand Nina Gummich vor der Kamera. Mit zehn Jahren hatte sie ihren ersten Filmkontakt, mit zwölf spielte sie 2003 im Filmdrama «Blueprint» die junge Pianistin Iris Sellin. Weitere Fernseh- und Kinoproduktionen folgten, bis sie 2011 das formelle Handwerk an der HMT Leipzig studierte.
Von 2011 bis 2015 absolvierte sie ihr Schauspielstudium, danach wechselte sie ans Hans Otto Theater Potsdam, wo sie von 2015 bis 2018 zum Ensemble gehörte. Als ihr Vertrag auslief, entschied sie sich bewusst dagegen, ihn zu verlängern — und für den Film- und Fernsehberuf. Eine Entscheidung, die schnell Früchte trug. Bereits 2009 hatte sie den Deutschen Fernsehpreis als Nachwuchsdarstellerin in der Miniserie «Die Wölfe» gewonnen — der erste Beleg, dass die Branche ihre Arbeit wahrnimmt.
Dr. Ella Wendt — Hauptrolle in Charité Staffel 3
Im Januar 2021 lief die dritte Staffel der ARD-Historienarztserie «Charité» an — und mit ihr Nina Gummich in der Staffelhauptrolle. Dr. Ella Wendt ist eine junge Ärztin im Berlin des Jahres 1961, wenige Monate vor dem Mauerbau. Die Figur bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Ost und West, zwischen dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und den politischen Zwängen des geteilten Deutschlands. Eine Rolle mit historischer Wucht und persönlicher Tiefe.
Gummich trägt die Staffel als Hauptfigur. Ihre Darstellung der Ella Wendt ist keine Klischee-Ärztin — keine Heldin, die allen erklärt, was richtig ist, sondern eine Frau, die selbst nicht immer weiß, wo sie steht. Dieses Zögern, dieses Ringen zwischen Überzeugung und Anpassung, macht die Figur glaubwürdig. Das Kreativteam der Charité-Produzenten setzte bewusst auf eine junge Hauptdarstellerin, die Präsenz mitbringt ohne Stargehabe. Nina Gummich lieferte genau das.
Theresa Wolff, Alice Schwarzer — und das Vertrauen der Fernsehredaktionen
Noch im selben Jahr, Oktober 2021, startete die ZDF-Reihe «Theresa Wolff – Der Thüringenkrimi», in der Gummich die titelgebende Rechtsmedizinerin im thüringischen Jena spielt. Eine ganz andere Figur als Ella Wendt: kühler, methodischer, mit dem Blick der Forensikerin statt der Empathie der Klinikärztin. Dass beide Rollen in kürzester Zeit auf sie zuschnitten, zeigt das Vertrauen der Redaktionen.
2022 folgte der vielbeachtete ARD-Zweiteiler «Alice»: Nina Gummich spielte die junge Alice Schwarzer — eine der prägendsten deutschen Frauenrechtlerinnen. Die Reaktionen waren eindeutig. Peter Zander schrieb in der Berliner Morgenpost, Gummich «verschmelze regelrecht mit ihrer Figur» und liefere «eine grandiose Leistung». Im selben Jahr drehte sie «So laut du kannst» an der Seite von Friederike Becht — ein ZDF-Drama über sexuelle Gewalt, in dem sie die Physiotherapeutin Maja Heller spielt. Drei anspruchsvolle Hauptrollen in zwei Jahren: Das ist keine Glückssträhne, das ist Kontinuität.

