Das Pharmaziestudium ist einer der strukturiertesten akademischen Wege in Deutschland: bundesweit geregelt durch die Approbationsordnung für Apotheker (AAppO), drei Staatsexamina, ein verpflichtendes Praktisches Jahr — und am Ende eine staatliche Zulassung, ohne die keine eigenverantwortliche Arzneimittelabgabe möglich ist. Wer fragt, wie man Apotheker wird, bekommt eine klare Antwort: über ein Universitätsstudium, nicht über eine klassische Ausbildung.
Dieser Artikel erklärt, wie das Studium aufgebaut ist, was der NC bedeutet, warum der Begriff „Apotheker-Ausbildung" in die Irre führt — und was nach der Approbation beruflich wartet.
Den Überblick über Tätigkeitsfelder, Karrierepfade und Gehaltsdaten liefert der Hauptartikel Apotheker werden: Studium, Approbation und Karriere.
Studium, kein Ausbildungsberuf
Wer online nach „Apotheker Ausbildung" sucht, meint in fast allen Fällen das Pharmaziestudium. Eine klassische duale Berufsausbildung zum Apotheker gibt es in Deutschland nicht. Die Approbation setzt zwingend ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium voraus — und zwar an einer Universität, nicht an einer Fachhochschule.
Der Begriff „Apotheker-Ausbildung" ist umgangssprachlich eingebürgert, aber inhaltlich irreführend. Er vermischt den akademischen Studiengang Pharmazie (Staatsexamen) mit den eigenständigen Ausbildungsberufen Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter (PKA) und Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA) — zwei anerkannte Berufe mit eigenem Berufsbild und eigener Abschlussprüfung, aber ohne Apotheker-Approbation (Quelle: ABDA, Bundesagentur für Arbeit).
Wer als approbierter Apotheker arbeiten will, führt kein Ausbildungsverhältnis — sondern studiert an einer von 22 deutschen Universitäten, die den Staatsexamensstudiengang Pharmazie anbieten (Quelle: studis-online.de).
Studienaufbau: Grundstudium, Hauptstudium, Praktisches Jahr
Die Studienstruktur ist durch die AAppO bundesweit einheitlich geregelt — ein seltenes Merkmal im deutschen Hochschulsystem. Es gibt keine Credit-Punkte nach Bologna, kein Bachelor-/Mastermodell, sondern einen staatlich normierten Stufenaufbau mit drei Abschlussprüfungen (Quelle: impp.de, gesetze-im-internet.de).
Grundstudium — Semester 1 bis 4
Die ersten vier Semester legen das naturwissenschaftliche Fundament: Allgemeine und Anorganische Chemie, Organische Chemie, Biochemie, Biologie, Physik, Mathematik und die Grundlagen der Arzneiformenlehre. Das ist kein sanfter Einstieg — Pharmazie gilt an vielen Hochschulen als eines der selektivsten naturwissenschaftlichen Studienfächer, mit hohen Durchfallquoten in den frühen Prüfungen.
Am Ende des vierten Semesters steht das Erste Staatsexamen (Pharmazeutische Vorprüfung) — schriftliche und mündliche Prüfungen in den Grundlagenfächern, abgenommen durch die Prüfungsämter der Länder auf Basis bundesweit einheitlicher Vorgaben des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP).
Hauptstudium — Semester 5 bis 8
Im Hauptstudium treten die pharmazeutischen Kernfächer in den Vordergrund: Pharmazeutische Chemie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Technologie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Klinische Pharmazie. Die Breite des Fächerspektrums ist erheblich — von der Synthese und Analytik von Arzneistoffen bis hin zu Wechselwirkungen, Dosierungsmodellen und der Versorgung stationärer Patienten.
Ein verpflichtender Baustein im Hauptstudium ist die Famulatur: acht Wochen praktische Tätigkeit in pharmazeutischer Umgebung. Mindestens vier Wochen müssen in einer öffentlichen Apotheke geleistet werden, die verbleibende Zeit wahlweise in einer Krankenhausapotheke, einem Industriebetrieb oder einer wissenschaftlichen Einrichtung. Die Famulatur gibt früh einen Einblick in den Alltag verschiedener Berufsfelder — und hilft bei der späteren Entscheidung, welche Richtung das Praktische Jahr einschlagen soll.
Das Hauptstudium endet mit dem Zweiten Staatsexamen — schriftlich und mündlich. Die Fächer: Pharmazeutische Chemie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Technologie, Pharmakologie und Klinische Pharmazie. Das zweite Examen gilt als inhaltlich anspruchsvollste Prüfung des gesamten Studiums.
Praktisches Jahr (PhiP) — 12 Monate Praxis
Nach dem zweiten Staatsexamen beginnt die Phase, die den Studienabschluss vom Berufseinstieg trennt: das Praktische Jahr, kurz PJ — die Pharmazeuten im Praktikum werden als PhiP bezeichnet.
Zwölf Monate praktische Ausbildung sind Pflicht. Mindestens sechs Monate müssen in einer öffentlichen Apotheke geleistet werden, die verbleibenden Monate wahlweise in einer Krankenhausapotheke, einem Pharmaziebetrieb, einer Bundeswehrapotheke oder einer wissenschaftlichen Einrichtung. Begleitend gibt es vier bis sechs Wochen Unterricht zu Recht, Betriebswirtschaft und pharmazeutischer Praxis — teils in Blockkursen.
Die Vergütung während des Praktischen Jahres ist geregelt: 1.133 Euro brutto monatlich nach dem aktuellen Gehaltstarif ADEXA/ADA 2026 (Quelle: medi-karriere.de). Kein Lohn wie nach der Approbation, aber ein klar definierter Anspruch.
Am Ende des Praktischen Jahres steht das Dritte Staatsexamen — eine mündliche Prüfung vor dem zuständigen Landesprüfungsamt, mit Schwerpunkt auf pharmazeutischer Praxis, Patientenversorgung und Sonderrechtsgebieten.
Wer alle drei Staatsexamina bestanden hat, beantragt die Approbation bei der zuständigen Landesbehörde. Erst mit der Approbation ist die eigenverantwortliche Arzneimittelabgabe und Apothekenleitung erlaubt.







