Die kurze Antwort: Bei generischen Dating-Apps sind im Schnitt rund 291 Matches nötig, bis eine einzige feste Partnerschaft entsteht — und dafür durchschnittlich 5,1 Dates mit verschiedenen Menschen (Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft nach Neyt et al. 2020). Für Ärztinnen, Pflege- und Rettungskräfte mit Schichtdienst wiegt diese Ineffizienz doppelt, weil jedes dieser Dates in einen ohnehin vollen Dienstplan passen muss. Der wirksamste Gegenhebel ist laut Partnerforschung kein besserer Zufall, sondern ein Umfeld, in dem beide denselben Berufsalltag teilen.
Über das Dating im Gesundheitswesen wird viel vermutet und selten gerechnet. Wir haben deshalb Dating-Forschung und amtliche Statistik zusammengetragen und auf eine einzige Frage hin ausgewertet: Wie finden Menschen in Medizin und Pflege einen Partner, und warum funktionieren die üblichen Apps für sie so schlecht? Das Ergebnis ist deutlicher, als es die gängigen Ratgeber vermuten lassen.
Die Kurzfassung steht oben in den Kennzahlen. Was sie bedeuten, steht hier.
Alle sind auf den Apps, und fast niemand findet dort einen Partner
Der Ausgangspunkt ist ein Widerspruch. Auf der einen Seite ist Online-Dating längst Normalität: 53 Prozent der deutschen Internetnutzer waren laut einer Untersuchung von Bitkom Research schon einmal auf einer Dating-Plattform aktiv, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 61 Prozent. Auf der anderen Seite steht die Erfolgsquote.
Matches sind bei generischen Dating-Apps im Schnitt nötig, bis eine einzige feste Partnerschaft entsteht (Ø 5,1 Dates).
Quelle: IW Köln / Engels
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat diese Zahl aus der Forschung von Neyt und Kollegen abgeleitet: Aus rund 291 Matches entsteht im Schnitt eine feste Partnerschaft, und für diese eine Beziehung waren durchschnittlich 5,1 Dates mit verschiedenen Menschen nötig. Die allermeisten Übereinstimmungen verlaufen also im Sande. Für Menschen mit viel freier Zeit ist das ein Ärgernis. Für Menschen mit Schichtdienst ist es ein struktureller Nachteil, weil jedes dieser 5,1 Dates in einen ohnehin knappen Terminkalender passen muss.
Für das Gesundheitswesen ist die Rechnung noch härter
Wer in Medizin oder Pflege arbeitet, kämpft nicht nur mit der schlechten Trefferquote der Apps, sondern auch mit dem Kalender. In einer Umfrage des Ärzteportals esanum sagten 44 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, ihr Beruf erschwere die Partnersuche. Der wiederkehrende Grund ist fehlende Zeit für das Privatleben.
der Ärztinnen und Ärzte sagen, der Beruf mache die Partnersuche schwerer — vor allem aus Zeitmangel.
Quelle: esanum-Umfrage
In der Pflege ist es dasselbe Muster mit anderem Etikett. Früh-, Spät- und Nachtdienst kollidieren mit genau den Abenden und Wochenenden, an denen andere ausgehen und sich kennenlernen. Unser Report zu Liebe im Schichtdienst der Pflege zeigt die Zahlen dahinter: Krankenhaus-Pflegekräfte arbeiten dreimal so oft nachts wie andere Berufstätige. Wer so arbeitet, hat nicht weniger Interesse an einer Beziehung, sondern weniger Gelegenheiten, die klassische Wege des Kennenlernens voraussetzen. Warum das für Ärztinnen und Ärzte im Detail gilt, vertieft unser Ratgeber warum Partnersuche für Ärzte so schwer ist.







