Doc Esser – Dr. Heinz-Wilhelm Esser, Pneumologe und WDR-Gesundheitsexperte – erklärt in einer aktuellen AOK-Kolumne, was im Körper passiert, wenn wir regelmäßig längere Pausen vom Essen einlegen. Es geht dabei nicht nur um Gewichtsverlust. Fasten aktiviert einen Zellprozess, den unser Körper von selbst beherrscht, sobald man ihm die Gelegenheit dazu gibt.
Was beim Fasten wirklich passiert
Nach etwa zwölf Stunden ohne Nahrung, bei Frauen etwas früher, bei Männern rund 14 Stunden, beginnt im Körper die sogenannte Autophagie. Das griechische Wort heißt übersetzt "Selbstfressen". Defekte Proteine und beschädigte Zellbestandteile werden von der Zelle selbst abgebaut, recycelt und teilweise als Energiequelle genutzt.
Doc Esser beschreibt Autophagie als zelluläre Wartung. Bleibt der Insulinspiegel über Stunden niedrig, schaltet der Stoffwechsel von Zuckerverwertung auf Reparatur- und Reinigungsmodus um. Zellen, die im Dauerbetrieb keine Zeit für Selbstreparatur haben, können jetzt Schäden beseitigen. Mit zunehmendem Alter wird das laut Esser wichtiger, weil die Reparaturmechanismen nachlassen.
Intervallfasten nach dem 16:8-Prinzip
Das alltagstauglichste Werkzeug ist 16:8-Intervallfasten: 16 Stunden Essenspause, 8 Stunden normales Essen. In der Praxis heißt das meist: Frühstück weglassen und die erste Mahlzeit gegen Mittag. Das Muster funktioniert ohne Kalorienzählen und lässt sich in einen normalen Arbeitsalltag einbauen.
Wer regelmäßig so isst, hält den Insulinspiegel dauerhaft niedrig. Das begünstigt die Fettverbrennung und bremst stille Entzündungsprozesse. Während der Fastenphase sind Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee erlaubt. Sie brechen das Fasten nicht und halten den Insulinspiegel stabil.
Was Fasten kann, und was nicht
Autophagie ist kein Allheilmittel, betont Doc Esser. Mehrtägiges Heilfasten bringt stärkere Effekte als kurze Alltagspausen. Für die Prävention reicht Intervallfasten als regelmäßiger Reset aber aus. Wer chronisch krank ist, Medikamente nimmt oder untergewichtig ist, sollte vor dem Start mit dem Hausarzt sprechen. Das gilt auch für Schwangere und Stillende.
Doc Essers Vergleich in seinen WDR-Sendungen: So wie Schlaf dem Gehirn Regenerationszeit gibt, gibt Intervallfasten dem Verdauungstrakt und den Zellen Zeit zur Selbstreparatur. Ein Mechanismus, den der Körper mitbringt und der weder Geld noch Aufwand kostet.
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