Matthias Riedl hat Tausende Patienten mit Ernährungsproblemen behandelt. Sein Fazit ist nach all den Jahren immer dasselbe: Kalorienzählen funktioniert auf Dauer nicht. Was stattdessen hilft, erklärt der Ernährungs-Doc mit einer klaren Botschaft.
Matthias Riedl: Kein Mensch hält 30 Jahre lang eine Diät durch
Matthias Riedl ist Internist, Diabetologe und Gründer des medicum Hamburg MVZ. Seit über einem Jahrzehnt kennt man ihn als einen der drei Ernährungs-Docs aus der NDR-Sendung "Die Ernährungs-Docs". Sein Ansatz ist klinisch fundiert, in der Praxis aber sehr pragmatisch. In einem aktuellen Interview hat er seine Position auf eine simple Formel gebracht: "Niemand hält dreißig Jahre lang eine Diät durch."
Kalorienzählen ist die häufigste Form der Ernährungskontrolle. Genau das ist nach Riedls Einschätzung das Problem. Wer täglich Kalorien erfasst, baut eine angespannte Beziehung zum Essen auf. Der Fokus liegt auf Kontrolle, und Kontrolle erschöpft sich irgendwann. Was dann kommt, kennen die meisten: Jojo-Effekt, Frust, ein Rückfall, schlechtes Gewissen — und beim nächsten Versuch fängt das Spiel von vorne an.
Das Qualitätsprinzip: Was zählt, ist nicht die Menge
Riedls Alternative heißt Qualitätsprinzip. Nicht zählen, wie viel man isst, sondern bewusst entscheiden, was man isst. Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und hochwertige Fette sättigen länger, tun der Darmflora gut und senken chronische Entzündungsprozesse im Körper.
Der eigentliche Schritt, den Riedl einfordert, ist ein mentaler: weg vom Kalorien-Denken, rein in die Frage "Was macht dieses Lebensmittel mit meinem Körper?" statt "Kann ich das noch essen?"
Seine Grundlagen dafür stammen aus der täglichen Praxisarbeit. Patienten mit Typ-2-Diabetes, metabolischem Syndrom oder starkem Übergewicht, die jahrelang Diäten ausprobiert hatten, bis ein anderes Konzept endlich gegriffen hat.






