Doc Esser war am Freitagabend, 5. Juni 2026, zu Gast im WDR-Kölner-Treff. Seine Botschaft an die Politik: Die sprechende Medizin, also der echte Arzt-Patienten-Dialog, steht unter Druck.
Doc Esser im Kölner Treff: Alarm um den Dialog
Heinz-Wilhelm „Doc" Esser ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie und seit Jahren ein bekanntes Gesicht im deutschen Gesundheits-TV. Im Gespräch mit WDR-Moderatorin Susan Link sagte er: „Ich bin Arzt aus Leidenschaft." Trotzdem brauche er die Abwechslung. Musik, Bühne, Bücher. „Die Mischung ist perfekt."
Auf die Frage, ob er Patientinnen und Patienten bei so viel Nebentätigkeit überhaupt noch gut zuhören könne, antwortete Doc Esser direkt: Er gehöre „tatsächlich noch zu denen, die sprechende Medizin machen". Und er könne sich das leisten. Patienten hätten bei ihm „immer die Möglichkeit, ihre Sorgen loszuwerden".
Wie lange das noch so bleibt, ist eine andere Frage. Doc Esser verwies auf laufende Reformdiskussionen im deutschen Gesundheitswesen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken treibt ein Paket zur Stabilisierung der GKV-Finanzen voran, und Esser nannte das beim Namen.
„Das geht im Moment noch, wir werden sehen, wie das in einem halben Jahr und einem Jahr ist, wenn Frau Warken weitermacht", sagte er im Kölner Treff. Kritikerinnen der Reformpläne warnen vor mehr Belastung für Praxen und vor weniger Zeit für Patientengespräche. Esser: „Da haben viele Kollegen Sorge, dass diese sprechende Medizin noch weniger werden wird."
Das Broken-Heart-Syndrom: Wenn das Gespräch Leben rettet
Warum das Gespräch medizinisch unverzichtbar ist, machte Esser am Broken-Heart-Syndrom fest. Er erzählte von Fällen aus seiner eigenen Praxis. Frauen kamen mit klassischen Herzinfarkt-Symptomen zu ihm, das EKG bestätigte den Verdacht. Lebensgefahr schien real.
Dann kamen die weiteren Untersuchungen. Die Herzkranzgefäße waren vollkommen unauffällig. „Da war gar nichts", sagte Esser.
Geholfen hat am Ende nicht die Apparatemedizin, sondern das Gespräch. Bei einer Frau war der Partner kurz zuvor unerwartet gestorben. Bei einer anderen lag eine schwere Diagnose nur wenige Tage zurück. Eine weitere Frau war über Jahre gemobbt worden.
Essers Fazit: „Die Frauen haben aufgrund der emotionalen Instabilität mit einem Broken-Heart-Syndrom reagiert. Deshalb finde ich es so wichtig, dass uns als Ärzten die Möglichkeit gegeben wird, uns länger mit den Patienten zu beschäftigen."
Lachen statt Kiffen: Essers medizinische Pointe
Neben dem ernsten Teil zeigte Doc Esser auch seinen Unterhaltungsinstinkt. Lachen sei nach seiner Erklärung nicht nur ein Sprichwort, sondern ein messbarer Körpervorgang: 300 Muskeln, sauerstoffreiches Blut in der Lunge, ein kräftiges Herz und dann der Parasympathikus, den Esser als „Chillnerv" bezeichnet.
Mit Blick auf die Cannabis-Teillegalisierung unter Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte er trocken: „Hätte er gar nicht gebraucht, wenn er einfach gesagt hätte: Lacht mal wieder statt Kiffen." Denn Lachen weite ebenfalls die Blutgefäße und senke den Blutdruck. Ohne jede Pflanze.
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Mehr über Doc Esser (Heinz-Wilhelm Esser)
Doc Esser ist Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser — Pneumologe, Kardiologe und seit 2016 das Gesicht des WDR-Gesundheitsmagazins. Als Leitender Oberarzt am Sana-Klinikum Remscheid und Partner der Privatpraxis cardiomed24 in Meerbusch verbindet er Klinikalltag und Medienpräsenz wie kaum ein anderer TV-Arzt in Deutschland. Sein Spitzname ist längst Markenzeichen.