Foto: Ahoareau / Wikimedia Commons CC-BY-SA 4.0
Nahrungsergänzungsmittel boomen wie selten zuvor. Vitamin D, Omega-3, Kollagen, Magnesium: In Drogerie und Apotheke füllen sie ganze Regalreihen. Dr. Matthias Riedl, ärztlicher Direktor des Medicums Hamburg und bekannt als Ernährungs-Doc, nennt das einen „Wahnsinn" und erklärt, warum eine Überdosierung bei manchen Präparaten gefährlich wird.
Matthias Riedl zur Supplement-Flut: „Das ist falsch"
Der Supplement-Markt wächst schnell. Besonders gefragt sind laut Matthias Riedl die Vitamine A, B und D sowie verschiedene Mineralstoffe. Genau das beunruhigt ihn: „Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wird immer größer und unübersichtlicher." Viele Menschen greifen zu Supplements, weil sie ahnen, dass ihre Ernährung Lücken hat. Ein Denkfehler, so Riedl: „Die Menschen merken, dass etwas mit ihrer Ernährung nicht stimmt, und machen einen folgenschweren Fehler, indem sie das mit Supplementen ausgleichen. Das ist falsch."
Das Problem liegt tiefer. Ein Supplement kann eine schlechte Ernährung nicht ersetzen. Es fehlt der Kontext: Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, das Zusammenspiel der Nährstoffe. Eine Pille bildet das nicht ab.
Wenn Supplements zur Vergiftung führen
Matthias Riedl warnt besonders vor den fettlöslichen Vitaminen. Anders als wasserlösliche Varianten wie Vitamin B oder C werden Vitamin D und Vitamin A nicht einfach über den Urin ausgeschieden. Sie reichern sich im Körper an. Wer dauerhaft zu hohe Dosen einnimmt, riskiert ernsthafte Schäden.
Bei Vitamin D kann eine chronische Überdosierung zu einer Hyperkalzämie führen, also einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut. Die Folgen reichen von Müdigkeit und Übelkeit bis zu Nierensteinen und Herzrhythmusstörungen. Bei Vitamin A drohen bei exzessiver Langzeiteinnahme Leberschäden, Kopfschmerzen und Haarausfall. Auch Eisen ist kein harmloses Supplement: Zu viel davon schädigt die Schleimhaut und kann in extremen Fällen Organe schädigen.
Was Matthias Riedl wirklich empfiehlt
Matthias Riedl ist kein grundsätzlicher Gegner von Supplements. Er empfiehlt sie, aber erst nach einem Bluttest beim Arzt, der einen tatsächlichen Mangel zeigt. Vitamin D im Winter, Eisen bei nachgewiesener Blutarmut: Das sind sinnvolle Indikationen. Was er ablehnt, ist das blinde Konsumieren von Supplements als Lifestyle-Upgrade ohne medizinischen Befund.
Gerade im Klinikalltag, wo Schichtdienst und unregelmäßige Mahlzeiten die Versorgung erschweren, ist der Griff zum Supplement verführerisch. Riedls Rat: Erst Blut abnehmen lassen, dann gezielt handeln. Nicht umgekehrt.
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Quellen: Berliner Morgenpost, 25. Juni 2026 (Elisabeth Jessen). Bild: Ahoareau / Wikimedia Commons CC-BY-SA 4.0.






