Foto: JCS / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0 — Yael Adler, Frankfurt 2016
Dermatologin Yael Adler hat in ihrer T-Online-Kolumne vom 27. Juni 2026 erklärt, warum Schuhwahl mehr als eine Modefrage ist. Sie spielt für fast jeden Rücken, jede Hüfte und jedes Knie eine Rolle.
Füße tragen uns ein Leben lang, bekommen aber selten genug Aufmerksamkeit
Ein Fuß besteht aus 26 Knochen, meist 33 Gelenken und über 100 Muskeln, Bändern und Sehnen. Dazu Faszien, Nerven, Blutgefäße. Ein biomechanisches System, das beim Gehen das Anderthalbfache des Körpergewichts abfangen muss. Trotzdem, schreibt Yael Adler, bekommen Füße oft nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht.
Das zeigt sich an Zahlen: Ein Großteil der Menschen trägt laut Adler Schuhe, die zu kurz oder zu schmal sind. Besonders betroffen sind Frauen, Männer und, besonders heikel, Kinder, die Druck oft nicht zuverlässig als Schmerz melden.
Wenn der Schuh zur Krankheitsursache wird
Fast ein Viertel der Erwachsenen hat Hallux valgus, den Ballenzeh. Der große Zeh weicht seitlich ab, der erste Mittelfußknochen wandert nach innen. Ursache kann genetische Veranlagung sein, aber auch das dauerhafte Tragen enger Schuhe oder hoher Absätze. Die Folgen reichen von Schleimbeutelreizungen über Entzündungen bis zu Hornhautverdickungen.
Dazu kommen Hammer- und Krallenzehen, eingewachsene Nägel, Hühneraugen und Druckstellen. Yael Adler benennt jeweils konkrete Mechanismen: zu enger Zehenraum, falsche Nagelform, Feuchtigkeit, Sport mit Druckbelastung.
Was hohe Absätze im Körper anrichten
Der entscheidende Satz von Yael Adler: Schon ein Absatz von wenigen Zentimetern verschiebt den Körperschwerpunkt nach vorn. Sprunggelenk, Knie, Hüfte, Becken und Rücken kompensieren das. Je höher der Absatz, desto größer die Kettenreaktion.
Zusätzlich verkürzen sich bei regelmäßigem Tragen hoher Absätze Wadenmuskulatur und Achillessehne, mit Folgen für Plantarfaszie und Zehengrundgelenke. Es müssen nicht zwingend High Heels sein.
Die Gegenthese: Zu viel Schuhschutz schadet auch
Moderne Schuhe mit starker Dämpfung, Stabilitätsstützen und sehr festen Sohlen klingen gut. Aber Adler warnt: Wird der Fuß so gut abgesichert, dass die eigenen Muskeln kaum noch gefordert werden, werden diese schwächer. Ausnahmen sind Erkrankungen wie diabetisches Fußsyndrom, Nervenschädigungen oder ausgeprägte Fehlstellungen. Dort ist orthopädische Versorgung medizinisch notwendig.






